Das Ensemble Effusions setzt sich aus vier Musikerinnen aus Hamburg zusammen, die sich alle mit der Komposition und Interpretation zeitgenössischer Musik beschäftigen. Marion Fermé (Blockflöten), Marcia Lemke-Kern (Gesang) sowie Jennifer Hymer (Klavier, Toy-piano und Kalimba) und Ewelina Nowicka (Violine und Komposition). In manchen Stücken kommt Live-Elektronik hinzu. Schon in den letzten Jahren boten die Konzerte von Effusions eine bunte Mischung von komplex Auskomponiertem bis zur Konzeptimprovisation: ernste Musik mit hohem Unterhaltungswert.
Eines der Schwerpunkte des Ensembles ist die szenische Darstellung der Stücke. Das ungewöhnliche und reiche Instrumentarium bietet nicht nur neue Formen der Klanggestaltung sondern auch viel Raum für theatralische Elemente in der Interpretation der Neuen Musik.
Stücke die für das Ensemble Effusions komponiert worden sind:
- von Neele Hülcker: Home of shocks (2010) für Soprano, Blockflöten, Kalimba, präpariertes Klavier und Violine.
- von Pèter Köszeghy: La grotte de Lascaux (2011) für Stimme, G-Alt Blockflöte, Violine, Toy Piano und Tonband.
- von Manfred Stahnke: Schrei (2011) für Stimme, Basse-Blockflöte, Violine und Klavier.
Das Repertoire von Effusions verbindet die Werke berühmter Komponisten zeitgenössischer Musik, wie Cage, Berio, Kurtag, Aperghis mit Stücken von norddeutschen Komponisten der Gegenwart wie Hajdu, Lemke, Stahnke, Köszeghy, Dinescu.
Konzert Auschnitte von dem Ensemble Effusions
Home of Schocks, Neele Hülcker
Re re record a :re, Sascha Lemke
Amok (Schock), Pèter Köszeghy
Recitation N°4, George Aperghis
Programm
Femmes de «Shock»
Neele Hülcker (*1983): Home of shocks (2010) fur Sopran, Blockflöten, Kalimba, Präpariertes Klavier und Violine 4’
Georges Apherghis (*1945): Recitation 8 für Stimme (1977-8) 2’30
Sascha Lino Lemke (*1976): Re: re: record a re: (2009) Teil 1 für Piccoloblockflöte und Elektronik 3’30
Georg Hajdu (*1960): Tsunami (2008) für Blockflöte und Toy-piano
Ewelina Nowicka (*1982): Atonali für Violine (2010) 10’
Pause
Pèter Köszeghy (*1971): Amok (Schock) Version 2 (2002/2004) für verzerrte Bassblockflöte und Klavier
Annie Gosfield (*1960): Brooklyn, October 5th, 1941 für Klavier, Baseballs und Fanghandschuh 4’
Sascha Lino Lemke: Re: re: record a re: (2009) Teil 2 für Altblockflöte und Elektronik 6’
Georges Apherghis (*1945): Recitation 5 2’30
Manfred Stahnke (*1951): Schrei für das Ensemble Effusions 8’
Ensemble Effusions:
Marcia Kern-Lemke: Sopran
Marion Fermé: Blockflöten
Ewelina Nowicka: Violine
Jennifer Hymer: Klavier, Toy Piano, Kalimba
Erläuterung zum Programm
Neele Hülcker (*1983): Home of Shocks (2010)
Das Stück heißt “Home of shocks #1″. Es ist ein Werk einer Reihe von Stücken, die den Moment des Schocks / Erschreckens thematisieren. Ausgangsidee waren bestimmte Zustände zwischen Schlafen und Wach-sein: Situationen, in denen man zwischen Traum und Realität schwankt. Gemeint sind z.B. Momente kurz nach dem Einschlafen, in denen man plötzlich im Schlaf zuckt, weil man denkt, irgendwo herunter zu fallen oder in anderer Art und Weise das Gleichgewicht zu verlieren…
Es war hierbei besonders die gesamte Atmosphäre / die emotionale Verfassung vor, nach und in solchen Momente, die mich beim Komponieren geleitet hat. Ich bin jedenfalls schon gespannt darauf, das Stück zu hören!
Sascha Lino Lemke (*1976) [Re: Re: Record a re:] (2009) for recorders and computer
Trotz des olympischen, kaum aufzuhaltenden Strebens nach High Fidelity liegt für mich persönlich die eigentliche Faszination der elektronischen Medien weniger in der immer täuschend-genaueren Erzeugung realer oder illusionärer Räumlichkeiten. Was mich (be-)rührt, ist vielmehr nach wie vor ihr dokumentarischer Charakter. Niemals zuvor hat selbst der Durchschnittsmensch sein Leben durch eine solche Menge von Photos, Texten, Briefen (Emails), Musik, Filmen etc. so umfangreich und bequem für lange Zeit archivieren können, wie es heutzutage durch das digitale Zeitalter selbstverständlich ist. Trotz allem ist die Differenz zwischen “Wirklichkeit” und Dokument nicht aufgehoben, auch ob sie wirklich kleiner geworden ist, bleibt zu hinterfragen. Nach wie vor bleibt auf jeden Fall der Akt des Erinnerns. In dem Theaterstück “Krapp’s last tape” führt Becket vor, wie Krapp nach dem Hineinhören in sein sorgfältig auf Tonband dokumentiertes Leben seinem Archiv eine vorgeblich letzte Tonbandaufnahme hinzufügt. In [ Re: Re: Record a re: ] geht es u.a. darum, wie sich das Stückobsessiv darum bemüht, sich aus dem bereits Gespielten, das sich in das Gedächtnis des Rechners eingeschrieben hat, nochmals neu zu beschreiben, zu erklären, weiterzudenken. Die elektronischen Reproduktionen des Soloparts in Form von Remixes aus ständiger Wiederholung und Rekombination einzelner “Erinnerungen” wiederum werden kommentiert, beantwortet, ergänzt und weitergeführt durch den Solisten.
[ Re: Re: Record a re: ] wurde von Lucia Mense in Auftrag gegeben, ist ihr gewidmet und geplant als vierteiliger Zyklus, deren Teile eng miteinander verknüpft sind und auf ein einziges, sich erweiterndes “Gedächtnis” zurückgreifen. Am 15. Mai 2009 wurden die ersten zwei Hauptteile uraufgeführt. Nach und nach sollen die anderen Teile folgen, ev. auch installative Zwischenteile.
Pèter Köszeghy (1972*): La grotte de Lascaux (2011)
La grotte de Lascaux - Die Höhle von Lascaux im Tal der Vézère bei Montignac in Frankreich enthält einige der ältesten bekannten abbildenden Kunstwerke der Menschheitsgeschichte. Bei dem für das Ensemble Effusions gewidmeten Werk handelt es sich um eine “geistige” Umsetzung 1., der Akustik der Höhle und 2., auch der Gestik eines fiktiven Klangwerkes des vorgeschichtlichen Menschen. Daher wurde zum Beispiel beim Gesang kein bestimmter Text “verarbeitet” oder vertont. Es ist ein “Klangwerk”, wobei die Musik nicht aus Melodien oder Rhythmen entsteht, sondern aus Klangflächen aus Farben, die miteinander, aber voneinander unabhängig in der Zeit verkettet sind. Es wurde ursprünglich von mir geplant, das Werk in der Höhle selbst mit verschiedenen, aber vorher festgelegten Positionen der Instrumentalisten uraufzuführen - dies ist aber erstmal nicht möglich bzw. es bedarf dafür einiger organisatorischer Dinge, die leider zur Zeit noch nicht ausgereift sind.
Annie Gosfield (*1960): Brooklyn, October 5, 1941 1997, 4 minutes, for piano, baseballs, and baseball mitt
When asked to compose a piano piece representing Brooklyn for a concert commemorating the 100th anniversary of the unification of the five boroughs of New York City, I was inspired by the 1941 Dodgers vs. Yankees baseball World Series, thus coining the phrase “World Serial Music”. The piece is named for the date of the notorious fourth game of the series.
Brooklyn, October 5, 1941 is performed with two baseballs and a catcher’s mitt, which are used to strike both the piano keys and the strings and soundboard inside the piano. The score gives instructions to have additional baseballs available to the pianist, should he, like Mickey Owen, suffer the mishap of letting the ball get away. Playing the piano with baseballs and a catcher’s mitt produces different sounds and tonalities than the traditional method of playing with the fingers: new groups of notes and rapid sequential chords become possible by rocking the balls both side-to-side and back-and-forth on the keyboard, and wider spans are reached with the aid of the mitt. Sounds also differ inside the piano, using the baseballs to mute strings and strike the metal soundboard under the lid. Speed is enhanced, and the technique of rocking the baseballs creates a distinctive machine-like flurry of notes and tremolos. Although I know of no previous works composed for piano and baseballs, this is a tip of the hat to the late Nicolas Slonimsky, who performed Chopin’s Black Key Etude by rolling an orange on the piano keys.
Manfred Stahnke (*1951): Schrei, Chanson für das Ensemble Effusions (2008/2011)
Psalm 130
Gebet in tiefster Not
1 Aus den Tiefen rufe ich zu dir, JHWH!
2 Herr, höre auf meine Stimme! laß deine Ohren aufmerksam sein auf die Stimme meines Flehens!
3 Wenn du, JHWH, merkst auf die Ungerechtigkeiten: Herr, wer wird bestehen?
4 Doch bei dir ist Vergebung, damit du gefürchtet werdest.
5 Ich warte auf JHWH, meine Seele wartet; und auf sein Wort harre ich.
6 Meine Seele harrt auf den Herrn, mehr als die Wächter auf den Morgen, die Wächter auf den Morgen.
7 Harre, Israel, auf JHWH! denn bei JHWH ist die Güte, und viel Erlösung bei ihm.
8 Und er, er wird Israel erlösen von allen seinen Ungerechtigkeiten.
Inszenierung / staging
Es gibt 4 “Bühnen” oder Stationen:
A. Vorne, Klavier mit Tisch und 4 Notenständer
B. Links, Toypiano, Sopran-Lascaux
C. Rechts, Atonali / Lascaux-Violine
D. Hinten
Intro: Musiker betreten die Bühne A als ob sie eine Grotte Erkünden. Jennifer hat eine Taschenlampe und Marcia den Schlauch und ein Notizheft, man hört Tropfen vom Band
1. Hülcker: Home of shocks
Jennifer geht zur Bühne B, Ewelina geht zur Bühne C
Marcia als ob zum Exit, Marion hebt an zu spielen doch Marcia macht halt und…
2. Aperghis: Recitation 8 Teil 1
Marion hebt wieder an, doch Marcia unterbricht mit “Wie?” - drohend “ta vie…!” etc.
Recitation 8 Teil 2
Marion zuerst verschüchtert dann genervt
Marion hustet und will wieder anfangen, doch Marcia übernimmt Husten:
Recitation 8 Teil 3
Diesmal hebt Marion entschlossen an und jagt Marcia zur Station D mit…
3. Lemke: Recordare Teil 1
Marion verbeugt sich und verlässt Bühne A Richtung Bühne D
4. Nowicka: Atonali
Spotlight Ewelina
Man hört es tropfen. Jennifer erkundet eine Grotte (Publikum) mit der Taschenlampe.
5. Köszeghy: La Grotte de Lascaux
Marion kommt wieder nach vorne. Marcia geht mit ihrer Taschenlampe auf Jennifer zu ohne sie zu sehen, sie stoßen auf einander und erschrecken sich, Marcia fängt an zu singen.
Übergang: Ewelina und Marion und Marcia werfen einander (weiche) Bälle zu. Marion geht Richtung Bühne C. Ewelina geht zur Bühne B. Der letzte Ball geht zur Jennifer die inzwischen zur Bühne A gewandert ist:
6. Gosfield: Brooklyn
Jennifer verbeugt sich und verlässt Bühne A für D. Marion verlässt Bühne C für A.
7. Recordare Teil 2
8. Aperghis: Recitation 5
Marcia fängt an als ob sie weint. Ewelina versucht zu trösten und ruft Jennifer zu sich um zu helfen. Bei jedem Schrei jagt Marcia die anderen weg Richtung Bühne A wo sie erschrocken zu ihren Instrumenten greifen.
9. Stahnke: Schrei
Marion, Ewelina und Jennifer sind auf Bühne A. Marcia beginnt Bühne B und geht nach dem Intro zur Bühne A.


Konzert am 25.02.2011, Christianskirche Altona, Hamburg
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Marion Fermé, (1977) gebürtige Pariserin, besitzt seit 2003 das Solistendiplom in Blockflöte des Königlichen Konservatoriums Den Haag (NL). Mit ihren Altemusik-Ensembles, tritt sie regelmäßig bei Festivals in ganz Europa auf.
Als Interpretin zeitgenössischer Musik wird sie regelmäßig zu Soloauftritten und zur Zusammenarbeit mit Ensembles in Deutschland und Frankreich eingeladen.
Sie ist Preisträgerin des Ensemble-Wettbewerbs Musica antiqua von Brügge und des Internationalen Solo-Blockflötenwettbewerbs 2005 in Montréal. Mehrmals wurde sie von französischer Regierung für Auftritte in Ausland unterstützt. Sie hat drei CDs aufgenohmen, zwei sind beim Label Ambitus erschienen. Sie besitzt das französische Hochschuldiplom als Dozentin in Alter Musik. Von 2004 bis 2011 hat sie in Hamburg gewohnt und unterrichtet. Sie wohnt jetzt in der Nähe von Paris und ist Blockflötenlehrerin in Versailles.
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Jennifer Hymer studierte Klavier an der University of California in Berkeley und am Mills College (Oakland). Sie ist hat sich daher auf das Spiel mit Live-Elektronik sowie erweiterten Spieltechniken spezialisiert. Nach ihrer Übersiedlung nach Deutschland 1995 gründete sie mit dem Komponisten Georg Hajdu das elektro-akustische Ensemble WireWorks.
In den letzten Jahren hat sie zahlreichen Konzerte in Europa, Lateinamerika, in den USA und Israel gespielt.
Zu ihren neueren Klavierprojekten gehören das Multimediaprojekt Handscapes (für Klavier, Elektronik und Video) sowie ihr Piano, Toy Piano, Kalimba & Gadgets Projekt, zu denen international renommierte Komponisten und Komponistinnen Auftragswerke beitrugen. Ihre neue Solo-CD mit dem Titel “Ceci n’est pas un piano” ist 2009 bei Ambitus erschienen. www.jenniferhymer.de
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Marcia Lemke-Kern (1977) studierte Performance und Komposition an der City University London und an der Guildhall School of Music and Drama. Anschließend absolvierte sie ein weiterführendes Studium für „Neue Kompositionstechniken” an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg und am Fortbildungszentrum für Neue Musik in Lüneburg. Sie nahm Gesangsunterricht in Paris, Hamburg und Rom.
2000 gründete Marcia mit Sascha Lemke das duo con: Fusion, das sich der Aufführung zeitgenössische Musik mit Einbeziehung von Live-Elektronik und theatralischer Elemente widmet. 2007 gewann das duo con: Fusion den ersten Preis des Gaudeamus Wettbewerbs, Amsterdam. 2002/3 lebte und arbeitete Marcia in Paris, wo sie sich in mittelalterliche Musik am Centre de musique médiéval de Paris weitergebildet hat. Seither tritt Marcia solistisch mit verschiedenen Ensembles für Neue sowie Alte Musik auf u.a. mit dem Ensemble Effusions und Torbar e Cantar. Sie ist als Sopranistin bei europäischen Festivals zu Gast, wie z.B. Festival Musica Viva (Lisboa, Portugal), Autumn Festival (Talinn, Estonia), Music in (E)motion (Salzburg, Österreich), und Musica (Strasbourg, Frankreich). Weitere Informationen unter: www.duoconfusion.com
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Ewelina Nowicka, geb. 1982 in Danzig, ist eine polnische Geigerin und Komponistin. Seit ihrem 6. Lebensjahr spielt sie Geige. Ihre ersten Erfahrungen auf dem Gebiet der Komposition hat sie im Alter von 8 Jahren gesammelt.
In den Jahren 2001-2007 hat sie Violine und Musikpädagogik in der Klasse von Prof. Petru Munteanu an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg studiert. 2009 hat sie ein Zusatzstudium im Fach Violine an der Hochschule für Künste in Bremen abgeschlossen und studiert nun Konzertexamen in der Klasse von Professor Katrin Scholz. Als Solistin erhielt sie mehrere Preise bei nationalen sowie internationalen Violinwettbewerben. Ewelina ist Stipendiatin des polnischen Präsidenten Aleksander Kwasniewski, der Otto-Stöterau-Stiftung, sowie der Oskar und Vera Ritter Stiftung. Zudem ist sie Mitglied im Deutschen Komponistenverband, GEDOK Hamburg sowie der International Alliance for Women in Music.
www.ewelinanowicka.com