Tibia Magazin – 3/2011. CD Abbonda di virtù

„Abbonda di virtù“ – „Reich an Tugenden“ lockt der Titel einer Sammlung von italienischer Blockflötenliteratur aus 8 Jahrunderten, die die französische Blockflötistin Marion Fermé zusammengestellt hat. Der Titel spielt auf eine Ballata des blinden Musikers Francesco Landini an, die auch im ersten Teil zu hören ist, der der Musik des Trecento, also der italienischen Musik des 14. Jahrhunderts gewidmet ist. Sehr fein abwechslungsreich artikuliert und auch klanglich höchst differenziert klingen „Gebrauchsmusik“ wie Saltarelle (mit einleitenden Improvisationen) neben komplexen Stücken eines Landini oder Jacopo da Bologna oder den virtuos verzierten Instrumentalfassungen aus dem Faenza Codex. Klanglich anreichernd treten ein Psalterion (Elisabeth Seitz) bzw. eine gotische Harfe (Johanna Seitz) hinzu.

Ein zeitlicher Sprung versetzt uns dann in die Welt des Frühbarocks: Castello 2. Sonata oder Cimas Sonata ing (mit souveränen Passagi am Barockcello: Gerhart Darmstadt) dürfen da nicht fehlen. Auch hier bestechen die Klarheit der Ansprache sowie packende Durchgestaltung der musikalischen Textur. Ein Solostück für Cembalo ist ebenfalls in dieser Abteilung zu hören: Ercoles Pasquinis Canzona in a-moll interpretiert Isolde Kittel-Zerer mit fein abgestimmten Gesten des Zögerns und Zupacken.


Für das Hochbarock hat sich das Ensemble für eine Kantate von Antonio Vivaldi entschieden. All’ombra di sospetto (RV 678) ist für mich allerdings das am wenigsten überzeugende Stück: Die Stimme der Sopranistin Martina Schänzle und der Klang der Blockflöte mischen sich nicht unbedingt, was auch nicht zuletzt an dem unterschiedlichen Artikulationsstil liegt: Fast „gesprochen“ wirkt das Spiel von Marion Fermé, hingegen vergleichsweise linear der Gesang.

Restlos überzeugend hingegen die in den letzten Jahren immer beliebtere virtuose Sonate von Signor Detri. Den Ausklang bilden zwei musikalische Kontrapunkte: Der geheimnisvolle Abschluss Berios Gesti geht in Teddes nicht minder ausdruckstarkes Austro über.

Regina Himmelbauer. Tibia 3/2011